Berichte

Reiseberichte - Vereinigte Staaten von Amerika
Florida
eingetragen von GESI (10.4.2003, 12:03)
Adresse:
Telefon:
Fax:
Email:
Website:

Bericht: Florida - Here We Go !!!

Es schneit dicke Flocken, das Thermometer hat sich jenseits der Null Grad Grenze verkrochen. Aber irgendwie ist mir das ziemlich egal - im Gedanken sehe ich mich schon unter Palmen eiskalte Margaritas und sonstige tropische köstliche Flüssigkeiten schlürfen. Zehn Stunden im Jet muß man halt leider für die Flucht aus dem Februarischen Wien ins sommerliche Florida in  Kauf nehmen. Ach ja, fast hätte ich die lästige Warterei bei der "Immigration" vergessen, die beinahe die Versäumnis des Anschlußfluges zur Folge gehabt hätte. Der Delta-Pilot holt das aber locker auf, er hat bereits vor dem Einschwenken in die Startbahn die Schubhebel nach vorn gedrückt und drifted lässig um die Kurve zum Start. Der Landevorgang ist ähnlich. Heilfroh schleppen wir uns aus dem Flugzeug.

Der Jet-lag setzt scheinbar sofort ein, denn beim Mietwagenverleih wird aus einem "small four-cylinder" plötzlich, nach europäischen Maßstäben gemessen, eine Großfamilienlimosine.

Auf geht's in die Gegend von Tampa - Tauchen in den Florida Springs ist unser erstes Ziel. Man mietet Gerät und Blei zusammen mit einem kleinen Boot (aus finanziellen Gründen ist schwer zu empfehlen das restliche Tauchequipment selbst mitzunehmen) mit dem man gemächlich in "idle-speed" zu den unterirdischen in die Flüsse mündenden Warmwasserquellen oder in die Nähe der Brut-, Zucht-, Nist-, Plätze der Manatees fährt ( wie heißen bei Säugetieren die Plätze wo die Jungen zur Welt kommen und eine Zeit lang bleiben). Es ist immer wieder ein Ereignis diesen gutmütigen, scheinbar immer lächelnden  Riesen unter Wasser zu begegnen. Viele von ihnen tragen die Unvernunft einiger Bootsbesitzer zur Schau: Verletzungen durch Schiffsschrauben etc.. In den Wintermonaten kommen die Manatees aus dem Golf von Mexiko in die Springs, um eben dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. In dieser Zeit gibt es die Auflage nur mit "idle-speed" die Springs zu befahren. Trotz ausreichender Aufforderung, alle 50m findet sich ein Schild das auf die Manatees hinweist, haben viele "Speedboat" Besitzer  den Gashebel zu weit vorn. Da die Springs normalerweise bloß 1-3m tief sind hat das eben oben erwähnte schwere Folgen für die Manatees. Nur an den Stellen an denen unterirdische Warmwasserquellen entspringen ist das Wasser bis zu 20m tief. Es ist einfach faszinierend in die Höhlen zu tauchen aus denen das warme Wasser in die Springs fließt. Versucht man aus der Tiefe an die Oberfläche zu schauen erlebt man trotz klarem Wasser eine Überraschung: Man sieht die Oberfläche vor unzähligen Fischschwärmen, die sich im warmen Wasser ebenso wohl fühlen wie wir, keineswegs. Nach drei gemütlichen Tauchgängen ist das 12l Alu-Gerät schließlich leer und wir machen uns von CCR-Musik, "Born on the Bayou" macht hier erst richtig Sinn,  angenehm begleitet auf den Rückweg zur Basis. Der ständig wehende Wind und das noch drei Monaten Winter verständlicherweise hohe Bedürfnis nach Sonne läßt einen den Sonnenbrand erst am nächsten Tag spüren.
Nicht nur zum Tauchen, sondern auch nur zum gemütlichen Bootfahren laden der Crystal und Homosassa River ein. Unter anderem gibt es an der Mündung des Homosassa Rivers ein Restaurant das nur mit dem Boot erreicht werden kann, und auch für amerikanische Verhältnisse relativ preisgünstig herrliche Fischgerichte anbietet. Man kann auch darauf hoffen Alligatoren zu treffen, die es seit einigen Jahren wieder in unerwünscht großer Anzahl gibt (die Regierung zahlt mittlerweile wieder 50 $ für jeden erlegten Alligator) und die hin und wieder in "Nachbars Garten" nach Hunden und sonstigen leicht erbeutbaren Haustieren Jagd machen - aus Menschen sollen sie sich aber weniger machen.

Nach ein paar Tagen schließlich steigt der Wunsch endlich im Meer zu tauchen so stark, daß selbst ca. 1000 km nach Key West den Aufwand wert erscheinen lassen. Über schnurgerade Highways geht es gemächlich mit 65 mph Richtung Süden. Wie alles in diesem Land findet man die schon aus Film und Fernsehen wohlbekannten hier üblichen zu groß geratenen Autos und Lkws. Ich staune über chromstrahlende Ungeheuer und Kutschen ohne Pferde. Auch die klischeehaften Polizeilimosinen rauschen immer wieder an uns vorbei, natürlich mit dem gewohnten Sirenengeheul, und bringen Verkehrssünder zum weinen. "Speeding", das häufigste Vergehen auf den Highways, kann zum teurem Spaß werden, denn für jede zu schnell gefahrene Meile zahlt man 10 $, natürlich zusätzlich zu den 50 $       "Aufwandsentschädigung " für die Cops.

Beim Durchfahren der Everglades spürt man schon deutlich den Süden, schade das für dieses Gebiet keine Zeit im Reiseplan vorgesehen ist. In Miami ist es schließlich so weit. Ich schalte die Klima Anlage ein - und beginne innerhalb kürzester Zeit zu frösteln. Ich stelle die Klimaanlage wieder ab uns widme mich dem Autoradio. Das Überangebot ist so groß - ich kann mich nicht zwischen Blues, Rock, etc. entscheiden und widme mich schließlich wieder voll dem Fahren und Staunen. Kaum sind wir an Miami vorbei gelangen wir auf den USS 1 - die Keys sind schon zum Greifen nahe. Unzählige Palmen und sonstige subtropische Gewächse stehen als Vorboten entlang des Weges, na und als nächstes findet sich auch schon eine Werbung für eine Tauchbasis. Natürlich hält auch Amerika in dieser Hinsicht den Rekord mit den meisten Tauchbasen und Tauchshops pro Quadratmeter. Es vergehen keine weiteren 5 Meilen und schon säumt der Erste den Weg. Ich bremse ungewöhnlich scharf, denn ein Tauchsportartikelgeschäft in der Größe eines mittleren Shopping Centers habe ich ja noch nicht einmal im Fernsehen gesehen. Ich habe aber Glück, daß die hier meine Kreditkarte nicht nehmen - ich würde heute wahrscheinlich noch an der Sanierung meines Kontos herumfeilen.

Endlich erreichen wir Key Largo und finden auch sofort unser Motel. Als nächstes  begutachten wir die Tauchbasis und buchen gleich drei Tauchgänge für den nächsten Tag - im Tauchshop hat man ja allerhand Geld gespart. Pünktlich um 8 Uhr morgens treffen wir am nächsten Tag an der Tauchbasis ein. Unser     C.M.A.S. ** wird ungläubig begutachtet - trotzdem dürfen wir mitfahren. Mit dem Speed-Boot geht es mit vollem Tempo raus aufs offene Meer. Bei manchen Tauchkollegen ändert sich die Gesichtsfarbe von einem dezenten Braun in ein aufdringliches Giftgrün. Wir haben Glück - obwohl wir bei Mc Donald's gefrühstückt haben behalten wir unser Frühstück. Nach zehnminütiger Fahrt werden wir aufgefordert uns ins Tauchpanier zu werfen, was bei dem atemberaubenden Tempo und dem relativ starken Wellengang nicht allzu leicht fällt. Ohne über Bord zu gehen schaffe ich es dennoch in meine noch leicht feuchte Farmer John Hose zu steigen. Das Anlegen der Jacke meines Tauchanzuges bereitet mir weniger Schwierigkeiten treibt  aber die Schweißausschüttung auf Hochtouren.

Endlich verstummen die Turbinen und der Anker klascht ins tiefblaue klare Wasser. Ich spucke in meine Maske und werde plötzlich von allen amerikanischen Tauchgästen mit Widerwillen betrachtet - gegen das Beschlagen der Maske verwendet man hierzulande Cousteau's Speichel aus der Spraydose. Mit meinen alten Jet-Fin Flossen kann ich die Herrschaften aber so weit beeindrucken, daß mein Vergehen gegen die übertriebenen Hygienevorschriften rasch in Vergessenheit gerät. Mittlerweile ist mir schon so heiß, daß mir das Gehirn austritt und ich bin heilfroh als ich vom immer noch leicht schwankenden Schiff ins Wasser gelange.

Wir tauchen ab. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich Korallenriffe. Elchkorallen, Fächerkorallen bieten die Kulisse für reichhaltige Lebensformen. Ich glaube mehr Fische um mich versammelt zu sehen, als in meinen zahlreichen  Tauchgängen davor. Ich treffe mir bereits von Fotos bekannte bunte Fische. Wir begegnen neugierigen Zackenbarschen, sehen in das Antlitz großer gefleckter Muränen. Trompetenfische stehen offensichtlich unberührt von der auch in 15m spürbaren Brandung auf dem Kopf, große Papageienfische frühstücken gemächlich. Im Nu legt man sich eine ökonomische Fortbewegungsart zu - das Schwimmen mit der Welle.  

In 20m erreichen wir schließlich den Grund und wecken einen friedlich schlafenden Stachelrochen unabsichtlich aus seinem Schlaf. Gemächlich, oder etwa noch schlaftrunken, sucht er sich einen ungestörteren Platz. 50 Minuten Nullzeit (nach der alten Navy Tabelle) vergehen viel zu rasch, und wir begeben uns auf die 3 m Sicherheitsdekostufe, die allerdings wegen der Brandung nicht gerade leicht einzuhalten ist. Aus diesem Grund wird der Sicherheitsdeko in dieser Gegend in 5m (15ft) vorgenommen.

Wieder im Boot angelangt werden wir sogleich heftig ausgeschimpft. "What 50 minutes at 60 ft - you guys you've pushed it to the limits". Der dive-master im Boot mustert verzweifelt die Wiederholungstabelle, die bei Padi nur reine Nullzeittauchgänge vorsieht, und schärft uns ein beim nächsten Tauchgang nicht tiefer als 10m zu tauchen. Außerdem meint er wir sollten den Tauchgang nicht wie zuvor empfohlen bei 500psi (ca. 30 bar), sondern bei 1500psi beenden (wir waren die letzten im Boot und haben zu wenig Luft in zu langer Zeit verbraucht).

Wir stehen immer noch im Gerät an Deck herum, hat der Captain schon die Turbinen auf Hochtouren gebracht. Jetzt ist mir völlig klar warum man im Boot niemals die Flossen ausziehen soll. Es ist einfacher über Bord zu gehen als man an sich glaubt. Ich erspare mit viel Glück der Mannschaft ein "Mann über Bord" Manöver. Es bleibt kaum genug Zeit, um Jacket und Regler auf das volle Gerät umzumontieren - wir haben schon den nächsten Tauchplatz erreicht. Auf gehts zum Easy-Diving. Im seichten Wasser, ca. 10-15m, grundelt man gemütlich herum und betrachtet eingehend und mit Muße das Überangebot an Lebensformen. Ein Nebeneffekt der geringen Tiefe ist ein sehr angenehmer, und der Sicherheit förderlicher. Man entsättigt garantiert auch die langsamen Gewebe.

Wieder einmal sind wir die letzten im Boot, aber statt einer weiteren Zurechtweisung gibt es frische Ananas und Orangen aus der Kühlbox, um den Salzwassergeschmack loszuwerden. Eine Idee die man durchaus auf den zahlreichen Tauchbasen in allen Herren Länder verbreiten sollte.

Es herrscht noch strahlender Sonnenschein, mit anderen Worten es ist noch hellichter Tag als wir uns zum Nachttauchgang an der Tauchbasis treffen. Kaum sind wir aber ausgelaufen fällt die Sonne riesengroß und blutrot mit einer mir bis dahin unbekannten Schnelligkeit ins Wasser. Alles eine Frage des Breitengrades. Was soll ich über den Nachtauchgang berichten? Es ist noch viel mehr zu sehen als bei Tag. Im Scheinwerferlicht erstrahlen die großartigsten Gemälde in unvorstellbaren Farbharmonien. Sanft wiegen sich Pflanzen und Weichkorallen in der leichten Dünung. Bewegungslos verharrende Barakudas betrachten uns neugierig. Gefleckte Müränen verlassen ihre Höhlen und Löcher und schwimmen tänzelnd durch die Szenerie. In Höhlen  sehe ich mehrere Schlafsäle in denen Weißspitzen Riffhaie, dicht nebeneinander auf den Sandgrund gebettet, die Nachtruhe genießen. Leider sind die Akkus unserer Lampen schneller erschöpft als wir und unser Luftvorat und wir müssen zurück ins Boot. Während wir uns umziehen, schaukeln wir gemächlich in der Dunkelheit, lediglich ein paar Positionslichter ziehen zwischen schwarzem Wasser und Himmel an uns vorbei.

Nach dem Motto "Wonders will never cease" erleben wir am nächsten Tag noch einen traumhaften Wracktauchgang. Eine halbe Speedboat Stunde von der Key Largo entfernt liegt die "Duane", ein Küstenfrachter der 1987 versenkt wurde, um ein künstliches Riff entstehen zu lassen in 30m Tiefe. Natürlich hat man vorher die Maschine ausgebaut und außerdem das Wrack "tauchersicher" gemacht. Zu jedem Innenraum des Schiffes gibt es zumindest zwei Ausgänge. An der Stelle an der das Wrack liegt herrscht  meist eine sehr starke Strömung. Bis man in den Strömungsschatten der Deckaufbauten gelangt, muß man sich deshalb immer mit einer Hand an der Strömungsleine, und beim Abtauchen dann an der Ankerkette sichern.  Ungerührt von der Strömung umgibt ein riesiger Barakuda Schwarm das Wrack, wie eine Wolke stehen sie über dem Schiff. Es finden sich dabei Exemplare von bis 2m Länge, die total bewegungslos, teilweise unangenehm nahe an der Ankerkette stehen.

Es ist ein seltsames Gefühl durch Gänge und Räume zu schwimmen, anstatt zu gehen. Alles wird aus einer völlig anderen Perspektive wahrgenommen. Man kann einen Raum von der Decke her betrachten, auf dem Kopf stehend werden Spinde im Mannschaftsquartier untersucht. Man kann sich nicht die Schienbeine beim Durchqueren von Schots anstossen, und nicht beim Stiegensteigen ausrutschen.

Von der Strömung lassen wir uns zur Kommandobrücke treiben. Ich komme mir beinahe wie eine Mowe vor die  im Tiefflug über das Deck fliegt. Von der Brücke aus habe ich den Alptraum jedes Kapitäns vor Augen. Über den Masten schweben Fische und keine Vögel, keine Wolken dafür aber tiefblaues Wasser. Keine weitere Zeit für Überlegungen, die Zeit vergeht leider viel zu rasch und schon wehen wir wie Fahnen im Wind an der Ankerleine beim Sicherheitsdeko.

Key West stellt den südlichsten Punkt der USA dar. Die Stadt ist ein Treffpunkt für Freaks und Aussteiger. Das Straßenbild wird durch Hippies und Musiker belebt. Weitere Attraktionen sind das Wrackmuseum, Malory Square und Sloppy Joe's. Hier Hemingway seine Leber regelmäßig attakiert und "The old man and the sea" geschrieben. Heute tummeln sich hier massenweise  Touristen, die zumindest so viel wie der alte Earnest trinken wollen. Zahlreiche stilvolle Harleys und Edelchopper tragen zum Ambiente der Bar bei.  Wochenend Rocker zieht es auch immer wieder zu Floppy Joe's. Dort können sie bei selbstgemachtem Blues-Rock Bier trinken und von "Born to be Wild" träumen.

Malory Square bevölkert sich vor Sonnenuntergang mit Einheimischen und Touristen. Hier soll man den großartigsten Sonnenuntergang erleben. Straßentheater, Akrobaten, Comedia dell' arte und sonstige Lustbarkeiten unterhalten bis zum Naturereignis. Dann wendet sich alles Richtung Meer, die Komödianten verstummen die Kameras beginnen zu surren und die Sonne tritt zu ihrem Auftritt an. Sie taucht das Wasser in orangerot hüllt sich in ihr rotes Schlafgewand und läßt sich ins Bett fallen. Die Zuschauer klatschen Applaus und begeben sich zum Essen oder in eine der zahlreichen Bars - bis zum nächsten Abend.

Neben den gewohnten Sehenswürdigkeiten unter Wasser kann man in Key West, für amerikanische Verhältnisse, noch sehr alte Häuser bewundern. Die im Western Stil  (wird als"Conch Style"auf den Keys bezeichnet) aus Holz gebauten Gebäude sind bis zu 200 Jahre alt.

Nach einem Kurzbesuch im Epcot Center (Disney World für große Kinder) frage ich mich warum ich schon wieder auf einem Flughafen bin. Zu kurz war der Ausflug in den Sommer auf jeden Fall. Beim Rückflug verhilft wenigstens der Jet-Stream zu einem kürzeren Aufenthalt im Flieger.

Now let's talk about money: Eine Tauchausfahrt inklusive zwei 12l Aluflaschen und Blei kostet zwischen 30 und 50$. Für Wracktauchgänge und Nachttauchgänge wird bei einigen Basen mehr verrechnet (1 Tauchgang kostet dann in etwa 30$). Leihausrüstungen sind eher teuer, aber dafür meist in tadellosem Zustand. Bei den Jackets handelt es sich meist um typische Tropenjackets mit recht geringem Volumen, die eher für dünne Anzüge und seichte Tauchgänge konzipiert sind.
[194 x gelesen] [Bericht schreiben]

Zum Seitenanfang

Hier könnte Dein Banner erscheinen!

 

 

Webmail
Kurspreise
Kurskalender
Veranstaltungen
Buddybörse
Flohmarkt
E-Cards
Newsletter
Mitglied werden
Galerien
TV-Programm
Webmail - alt


Login
Registrieren

Mai, 2013

  So Mo Di Mi Do Fr Sa
    01020304
 05060708091011
 12131415161718
 19202122232425
 262728293031 
        

4 Taucher online

Newsletter Abo

English Version
La version francais