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von HEST (28.7.2005, 8:21)
Angesichts der aktuellen Algenpest im ligurischen Meer vor der italienischen Küste warnt der WWF davor, unnötige Panik unter den Küstenbewohnern und Mittelmeer-Urlaubern zu schüren und damit der Tourismusindustrie zu schaden. Zwar seien die gesundheitlichen Auswirkungen giftiger Algenblüten nicht zu unterschätzen, allerdings sollte man nicht jeden Krankheitsfall voreilig auf die Algen zurückführen. Statt spontaner Panikmache wie beim aktuellen Hepatitis-Alarm in Genua fordern die Umweltschützer des WWF sinnvolle und langfristige Präventivmaßnahmen gegen gefährliche Algen, die der Meeresumwelt schaden.
„Die Gesundheit der Menschen sollte bei einer akuten Algenplage vorrangig sichergestellt werden. Algen sind aber keine Überträger von Hepatitis-Viren. Das ist absoluter Quatsch. Richtig ist, dass Abwässer, die ins Meer eingeleitet werden, Auslöser sowohl für Algenblüten als auch für Hepatitisfälle sind“, sagt Stephan Lutter, Meeresbiologe beim WWF Deutschland. Ausgeprägte Frühwarnsysteme und vorübergehende Badeverbote sorgten in der Regel dafür, dass die Menschen an den Küsten vor leichteren Vergiftungen durch Algen sicher sind. Diese gehen meist mit Übelkeit, Durchfall und Schwindel einher, nachdem Algengifte beim Baden oder durch den Verzehr von Fischen und Muscheln in größeren Mengen aufgenommen wurden. Algenblüten schadeten in allererster Linie der Meeresumwelt, stellt der WWF klar. Der WWF fordert deshalb angesichts immer häufiger auftretender Algenteppiche, dass die massive Einleitung von Nährstoffen aus industriellen und kommunalen Abwässern sowie aus der Landwirtschaf t gezielt bekämpft wird. Nährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff- und Phosphorverbindungen begünstigten besonders starke Algenblüten.
In den vergangenen Wochen waren die Mitarbeiter des WWF Deutschland ernsthaft besorgt, dass sich ein riesiger Blaualgenteppich, der vor der schwedischen Ostseeküste trieb, auch auf die deutsche Ostsee ausweiten könnte. Aufgrund einer Schlechtwetterfront mit viel Wind, Regen und niedrigen Temperaturen hatte sich der Algenteppich Ende letzter Woche jedoch weitgehend aufgelöst. Cathrin Münster vom WWF-Projektbüro zum Schutz der Ostsee in Stralsund: „Die Gefahren der meist giftigen Blaualgen für die Ostsee dürfen nicht unterschätzt werden.“ Die giftigen Stoffe würden von Fischen, Muscheln, Vögeln und Säugetieren aufgenommen und führten bei den Tieren zu Geschwüren, Lähmungen, Bewusstlosigkeit und Entzündungen. Bei früheren Blaualgenblüten war es dadurch zu einem Massensterben unter den Fischen gekommen. Algenblüten sind eigentlich ein natürliches Phänomen. Kommen allerdings mehrere begünstigende Faktoren zusammen, wie extrem lange Hitzeperioden, Windstille, starke Sonneneinstrahl ung und Nährstoffüberlastung des Gewässers, bilden sich an der Wasseroberfläche riesige und für das Ökosystem schädliche Algenteppiche. Beim Absterben wird extrem viel Sauerstoff verbraucht und giftiger Schwefelwasserstoff gebildet, der allen Organismen in der Ostsee schadet.
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